Psychologie und Film: Batman Begins, 6 – Größenwahn und Angsttherapie

Als Bruce seine Ausbildung abgeschlossen hat, muss er eine letzte Prüfung bestehen: Unter Einfluss einer halluzinogenen Droge soll er sich seiner größten Angst stellen. Denn eigentlich fürchte Bruce sich vor seiner eigenen Macht, er fürchte seine Wut und den Drang etwas Großes zu vollbringen. Zuerst müsse er seine eigene Angst besiegen. Angst verändere die Wahrnehmung. Deswegen solle er seine Angst umarmen, zu seiner Angst werden. Um etwas Großes zu bewirken, müsse er ein schrecklicher Gedanke werden, eine Idee, denn die Menschen fürchten am meisten, was sie nicht sehen können. Bruce besiegt seine Angst vor den eingebildeten, erinnerten Fledermäusen und kann Ra´s Al Ghul im Zweikampf durch eine List ebenfalls besiegen.

Auch Ra´s Al Ghul weiß um die Angst der Menschen, die Angst vor dem Unfassbaren, dem schrecklichen Gedanken. Er will diese Angst gegen die in seinen Augen Kriminellen richten. Er hat Recht, die Angst verändert die Wahrnehmung, sie lässt uns die Welt wie durch einen Tunnel sehen, und so richtet Ra´s Al Ghul seine Wut auf alle, die ihn im Stich gelassen haben: Die Kriminellen, weil einer davon seine Frau getötet hat, und alle anderen, die nicht eingegriffen haben, die korrupt waren und die stillschweigend ihr Leben lebten, ohne sich um ihn zu kümmern. Er unterscheidet die Menschen nicht. Er sieht Gotham als Ganzes an einem Punkt, wo nur die Zerstörung der Stadt einen echten Neubeginn bedeuten kann.

Darin sieht er dann auch „das Große“, zu dem er Bruce befähigen will. Bruce habe Angst vor seiner eigenen Stärke, der Möglichkeit, etwas wirklich Großes zu vollbringen – wie die Zerstörung einer ganzen Stadt, um ihr einen Neubeginn zu ermöglichen. Ein bisschen erinnert das an Noahs-Erfahrung. Die Auslöschung der Menschheit, weil sie sich nicht an Gottes Wort hält, um einen Neubeginn mit Noahs Familie zu ermöglichen. Ra´s Al Ghul maßt sich das Urteil über Millionen Menschenleben an und fühlt sich dabei noch gerecht.

Deswegen will er die Angst gegen die sowieso schon Ängstlichen einsetzen. Am besten werde das gelingen, indem man zu einem schrecklichen Gedanken wird und die Angst der Menschen noch schürt, damit sie sich aus ihrer Angst heraus gegenseitig zerstören.

Bruce sieht ein, dass er seine Angst vor den Fledermäusen nur besiegen kann, indem er sich ihr stellt. Unter Einfluss einer Droge, löst er sozusagen noch einmal eine Erinnerungsattacke aus, doch diesmal kann er die Angst besiegen und damit auch seinen Gegner in der Abschlussprüfung. Indem er seine Angst besiegt, kann er ruhig genug bleiben, um klar zu denken und selbst in der Prüfungssituation noch eine List zu entwickeln, um seinen Mentor zu besiegen.

Genau hier geschieht im Grunde das, um was es in jeder Therapie von Angstzuständen geht: soviel Ruhe im Körper bewahren zu können, dass man den Handlungsspielraum, den man hat oder den man dazugelernt hat, dann nutzen kann. Insofern zeigt der Film an dieser Stelle die anstrengendste Methode der Angsttherapie: die Exposition, also das Sich-solange-der-Angst-aussetzen, bis man merkt, dass die Angst nachlässt und man nicht gestorben ist. Dadurch lässt das Angstgefühl dauerhaft nach.

 

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Von Christopher Nolan und David S. Goyer auf IMDB.com

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