Achtung Gott: Das Bedürfnis der Schöpfung nach Gleichgewicht

„Die Erde strebt nach Balance, aber erreicht sie nie.“  (2012, Iain Riddick)

„Und Gott sah an alles, was er gemacht hatte, und siehe, es war sehr gut.“
(1. Mose 1, 31)

Die Erkenntnis, dass die Erde nach Balance strebt, stammt aus der unten verlinkten Dokumentation. Ich dachte sofort: Gottes Schöpfung strebt nach Gleichgewicht, aber erreicht es nie. So wie wir.

Gott schuf am 4. Tag die Zeit, indem er „Lichter an der Feste des Himmels, die da scheiden Tag und Nacht und geben Zeichen, Zeiten, Tage und Jahre“ setzte (1. Mose 1,14). Alles, was sich anzieht und abstößt und trennt von einander sind Pole von Dingen, die sich ergänzen und durch ihre Bewegung in Zeit und Raum ein Ganzes sind.

Erst gestern dachte ich noch, dass auch unsere Grundbedürfnisse nach Balance streben und sie nicht dauerhaft erreichen, auch wenn wir es nicht unbedingt wahrnehmen. Hunger und Durst sind nur für wenige Stunden gestillt. Wir haben eine Toleranz, innerhalb derer wir uns bewegen und die wir als „satt“, sprich im Gleichgewicht empfinden, aber so ist es mit dem Wetter ja auch. Es gibt gute Tage und trotzdem geschieht ständig Veränderung, auch wenn der Zyklus so langsam abläuft, dass wir ihn nicht wahrnehmen können. Der Zyklus des Planktons verläuft in Millionen von Jahren, bis es vom Meeresboden an die Oberfläche kommt und als Saharasand den Boden der Welt düngt.

Unsere körperlichen Bedürfnisse nehmen wir sehr schnell wahr. Wärmeverlust vielleicht am schnellsten, Durst für gewöhnlich schneller als Hunger, Schlaf nach ein paar Stunden. Auch das Bedürfnis nach Sexualität, Nähe und Zärtlichkeit taucht immer wieder auf.

Emotionale Bedürfnisse streben ebenfalls danach, im Gleichgewicht zu sein, und wir erreichen sie selten. Das Bedürfnis nach Liebe, Wertschätzung, Sicherheit, alle haben ihre Zyklen, seien sie auch lang. Emotionale Bedürfnisse haben sicher längere Zyklen als unsere körperlichen Bedürfnisse. Aber wären es keine Bedürfnisse, würde uns die fehlende „Nahrung“ auf Dauer nicht krank machen können. So wie der Körper auf Mangel mit entsprechenden Mangelerscheinungen reagiert, so reagiert unsere Seele auch auf Mangel an Liebe, Sicherheit und Wertschätzung. Gravierende Mangelerscheinungen nennen wir dann psychische Störung.

So bleiben wir am Suchen, so wie wir immer wieder neu nach Gott suchen dürfen, so müssen wir immer wieder neu nach Balance suchen, in unseren Beziehungen und in uns selbst.

Alleine die Vorstellung, dass selbst auf atomarer Ebene ständig Bewegung ist, führt mir klar vor Augen, dass Balance nicht unser natürlicher Zustand ist, sondern Spannung und Veränderung. Das Ungleichgewicht ist unser natürlicher Zustand. Wir sind dafür gemacht, Spannung auszuhalten, damit umzugehen und entsprechende Veränderungen vorzunehmen.

Und doch sehnen wir uns so sehr nach Stillstand, nach Ruhe, nach Stabilität und fürchten uns aus unterschiedlichen Gründen vor der Veränderung. Dabei sind wir genau dafür und daraus geschaffen.

Und hier die Dokumentation, die ich sehr faszinierend fand:


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